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Partizipation bedeutet, Menschen aktiv in Entscheidungsprozesse einzubeziehen; ihnen Teilhabe an Wissen und Einfluss ermöglichen.
Die Partizipation Junger Erwachsener in der Kirche ist ein zentrales Thema, das zunehmend an Bedeutung gewinnt. Diese Altersgruppe befindet sich in einer entscheidenden Lebensphase, in der viele persönliche und berufliche Weichen gestellt werden. Gleichzeitig wird es immer schwieriger einen Platz in Kirche zu behalten oder neue Wegen zu finden, um ihren Glauben zu leben und ggf. aktiv zur Gestaltung der kirchlichen Gemeinschaft beizutragen. Die Beteiligung dieser Gruppe gestaltet sich oft als Herausforderung – sowohl für die Kirche als auch für die Jungen Erwachsenen selbst.
In einer sich immer schneller verändernden Welt werden viele alte kirchliche Organisations- und Machtstrukturen disfunktional. Gute Entscheidungen für die Zukunft können immer weniger aus Tradition und Vergangenheit abgeleitet werden. Daher ist es wichtig, mehr auf Gegenwartsperspektiven zurückzugreifen. Perspektiven, die junge Menschen mitbringen.
Damit Partizipation funktioniert, kann sie nicht nur eine Ergänzung zu bestehenden Strukturen sein, sondern muss grundlegendes Element kirchlicher Erneuerung darstellen. Damit ist das Thema Partizipation Junger Erwachsener nicht bloß ein zielgruppenspezifisches, sondern ein gesamtkirchliches.
Dieser Artikel stößt immer da an seine Grenzen, wo Partizipation zu klein auf die Zielgruppe bezogen gedacht wird. Dennoch ist es oft, grade für die lokale Praxis wichtig, die Zielgruppenfokus nicht zu verlieren, weswegen dieser Artikel diesen Schwerpunkt behält.
Für eine weitere (auch sozialwissenschaftliche) Perspektive sei folgender Artikel von Valentin Dessoy empfohlen: Partizipation und Leitung in der Kirche
Ein wichtiges Merkmal der Partizipation Junger Erwachsener ist ihr Anspruch auf Eigenständigkeit. Noch mehr als Jugendliche, die oft noch stärker geführt werden, haben Junge Erwachsene bereits ein hohes Maß an Lebenserfahrung und Selbstverantwortung erworben. Sie wünschen sich daher eine Mitgestaltung, die ihnen Entscheidungsfreiheit und Raum für Kreativität lässt und können genauso wie andere Erwachsene, auch rechtlich, Verantwortung dafür übernehmen. Dies bedeutet, dass ihre Partizipation nicht auf einfache Mitwirkung oder Konsultation beschränkt werden sollte, sondern dass sie als gleichberechtigte Akteure wahrgenommen werden müssen.
Junge Erwachsene möchten nicht nur in vorgegebenen Strukturen agieren, sondern die Möglichkeit haben, neue Wege zu gehen und innovative Projekte in der Kirche zu initiieren. Dies erfordert von der Kirche Offenheit und Flexibilität, um frische Impulse zuzulassen und traditionelle Hierarchien zu hinterfragen.
Im Rahmen der kirchlichen Jugendarbeit konnte ein Teil der jungen Erwachsenen bereits eigenverantwortlich und partizipativ wirken. Um so schmerzlicher ist es dann, wenn manches scheinbar selbstverständliche in der „Kirche für Erwachsene“ nicht mehr geht.
Oftmals fühlen sich Junge Erwachsene durch die bestehenden kirchlichen Strukturen gehemmt. Entscheidungsprozesse in der Kirche sind häufig langwierig und komplex, was den Zugang für junge Menschen erschwert, die an schnelle und flexible Prozesse aus anderen Lebensbereichen gewöhnt sind.
Ein weiteres Hindernis stellt die Kommunikation dar. Viele Junge Erwachsene fühlen sich von der kirchlichen Sprache und den traditionellen Formen der Verkündigung nicht angesprochen. Sie suchen nach authentischen und lebensnahen Formen der Glaubensvermittlung, die ihre Fragen und Herausforderungen im Alltag ernst nehmen.
Trotz dieser Herausforderungen bietet die Partizipation Junger Erwachsener enorme Potenziale für die Kirche. Diese Altersgruppe bringt frische Ideen, Dynamik und einen kritischen Blick auf bestehende Strukturen mit. Sie sind in einer Phase, in der sie bereit sind, Verantwortung zu übernehmen und das Leben der Kirche aktiv mitzugestalten. Wenn sie in Entscheidungsprozesse einbezogen und ihre Anliegen ernst genommen werden, können sie einen wichtigen Beitrag zu einer Kirche mit Zukunft leisten.
Viele Junge Erwachsene schätzen es, eigene Projekte und Initiativen zu entwickeln, die ihren Interessen und Bedürfnissen entsprechen. Kirchliche Akteure sollten daher nötige Ressourcen, wie Räume und Infrastruktur barrierearm (z.B., online Buchungsoptionen, leicht zu findende Ansprechpersonen) zur Verfügung stellen, damit denen Junge Erwachsene eigenständig und kreativ tätig sein können. Dies könnte durch die Gründung von selbstverwalteten Gruppen oder die Initiierung von Projekten in Bereichen wie sozialem Engagement, Spiritualität oder interreligiösem Dialog geschehen.
Junge Erwachsene haben oft einen vollen Terminkalender, der durch Studium, Arbeit und Familie geprägt ist. Kirchliche Angebote müssen daher flexibel gestaltet sein. Anstatt auf wöchentliche Präsenztreffen zu setzen, könnten digitale Treffen, themenbezogene Projektarbeit oder einmalige Events, die auf spirituelle und soziale Bedürfnisse eingehen, neue Zugänge schaffen.
In Kirche kommen verschiedene Generationen mit unterschiedlichen Erfahrungen zusammen. Diese können sowohl in Glaubensthemen, aber auch in praktischen Bereichen voneinander profitieren. Für junge Menschen kann es sehr hilfreich sein, wenn erfahrenere Gemeindeglieder sie bei ihren Anliegen unterstützen: Kontakte herstellen, Strukturen und Abhängigkeiten transparent machen…
Junge Erwachsene sollten in kirchliche Entscheidungsprozesse aktiv eingebunden werden, sei es auf Gemeinde-, Kirchenbezirks- oder Landeskirchenebene. Dabei ist es wichtig, dass sie nicht primär gewählt/ berufen werden, um vorgegebene Quoten zu erfüllen oder Lücken zu schließen, sondern, dass sie mit ihren individuellen Perspektiven und Kompetenzen konstruktiv gestalten können. Alternative Entscheidungsprozesse zum gewohnten Mehrheitsentscheid können da hilfreich sein.
Die Lebensrealitäten junger Erwachsener und die Milieus, aus denen sie stammen, sind vielfältig. Kirchliche Angebote sollten diese Vielfalt widerspiegeln. Themen wie soziale Gerechtigkeit, Umweltschutz oder persönliche Sinnsuche sind für viele von Bedeutung. Programme, die sich mit diesen Themen befassen, können ein attraktiver Anknüpfungspunkt sein. Ebenso wichtig ist die Schaffung von spirituellen Räumen, die offen, nicht dogmatisch und interaktiv gestaltet sind.
Die Digitalisierung ist ein zentrales Element im Leben junger Erwachsener. Die Kirche kann diesen Trend nutzen, um durch moderne Kommunikationsmittel und Plattformen (z.B. Social Media, Podcasts, Mailverteiler, Apps) auf Augenhöhe mit dieser Gruppe zu interagieren. Digitaler Austausch und hybride Formen von Veranstaltungen könnten die kirchliche Präsenz im Alltag junger Erwachsener erhöhen.
Auf der Seite des Projekts Teilhabe junger Menschen in der Kirche finden sich (weitere) Informationen, Anregungen und Tools zum Thema Partizipation Junger Erwachsener. Dort findet ihr auch Teilhabechecks, die sich weitestgehend auch auf unsere Landeskirche übertragen lassen. Das Projekt wurde von der Diözesanen Jugendkommission des Bistums Basel initiiert und wird von den Jugendfachstellen der deutschsprachigen Bistumskantone getragen.